BERNARD AUBERTIN

 

Bernard Aubertin wird 1934 in Fontenay-aux-Roses, Hauts de Seine (Frankreich) geboren. Er studiert von 1955-57 Malerei, setzt sich mit Futurismus und Kubismus auseinander. Von 1958-1960 entstehen rote Tafelbilder, deren pastose Oberflächen mit Spachteln, Messerrücken, Gabeln etc. gestaltet werden. Bis 1961 schafft er rot übermalte Nagelbilder (Nägel werden von hinten durch Leinwand und Holz geschlagen, bilden im späteren Verlauf geometrische Muster), dann bis 1968 Feuerbilder- und Objekte. 1961 unter den Gründern der Künstlergruppe ZERO, trifft Aubertin1957 auf Yves Klein, was sein Schaffen nachhaltig prägt. Seine Liebe zum Feuer, in welchem er den Ursprung allen Lebens erkennt, äußert sich auch in zahlreichen Feuer-Aktionen, wobei etwa ein Klavier oder Autos verbrannt werden. Während der 1980er Jahre folgen Experimente mit Metallplatten, durchlöchert und rot übermalt und weitere monochrome rote Bilder entstehen, die mit Frottiertüchern oder Feuerschutzgittern strukturiert werden. Während der 1990iger Jahre tauchen wieder zahlreiche rote monochrome Bilder auf, mit der Spachtel gefertigt, in hunderten Schichten von drei verschiedenen Rottönen. In den letzten Jahren kehrt Aubertin wiederum zu glatten monochromen Bildflächen zurück. Aubertin stirbt 2015 in Reutlingen (D). Ausstellungen der letzten Jahre (Auswahl): 2009 The Death of the Audience, Wiener Secession, Österreich; 2013 La nature des choses, Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain, Nizza, Frankreich; 2014 ZERO Countdown to tomorrow, 1950s–60s, Solomon R. Guggenheim Museum, New York City, USA; 2015 ZERO Let us explore the stars, Stedelijk Museum, Amsterdam, Niederlande.         

 

Die Liebe zur Farbe Rot und die aus ihr herauswachsende Faszination und künstlerische Aneignung von Feuer und Rauch sind bei Aubertin eine Leidenschaft, die bis zur kompletten Identifikation führt und zum primären Ausdrucksmittel wird. Die Farbe Rot, „ihre Anziehungskraft, ihr Zauber, ihre Bewegung, ihr Licht, ihre Vibration, ihre emotionale Wirkung, ihre taktile Präsenz“ (Katalog der ZERO-Ausstellung im Berliner Gropius-Bau 2015) verarbeitet er teils haptisch, indem er sie pastos aufträgt und ihre Oberfläche mit unterschiedlichen spitzen und flachen Gegenständen oder eingeschlagenen Nägeln strukturiert, teils glatt und monochrom. Bei den pastosen Bildern, welche Gestik und Emotionalität deutlich erkennen lassen, lappt die Farbe dort und da über den Bildgrund hinaus und wird zum greifbaren, autonomen Stoff. Aubertins Arbeiten entstehen in keinem konsequenten, durchlaufenden Vorgang, sondern in einem ständigen Unterbrechen und wieder Beginnen. Dieser Vorgang schafft für den Künstler jene Distanz, die er als grundlegend empfindet: eine Distanz zur Natur und vor allem zur menschlichen Natur. Aubertin erreicht dies u. a. mit dem Ausfüllen der Fläche mit Nägeln, Schrauben, Haken und Streichhölzern, um so Abstand zur Ausführung (Übermalung mit Rot) herzustellen. Dies erlebt der Künstler während der Arbeit als einen enormen Akt der Befreiung und gelangt so zu einem reinen, grundsätzlichen Kunstgefühl. Wieder zurückgeholt auf den Künstler und Betrachter, soll durch die Freisetzung von der Natur die Totalität des Menschen zum Mittelpunkt werden. Aubertin bezeichnet sich seit 1960 als Realist und seine ganze Suche, wie er sagt, wird von einem Ideal inspiriert: der Humanisierung. Dabei kritisiert er, dass die aktuelle Kunst auf dem Heilungsprozess des Individuums basiert, ohne Botschaft für andere Menschen; es obliege dem Künstler, die Kunst in erster Linie auf den Menschen zu basieren.

 

Die 2018 im Schloss Ebenau gezeigten, in den 1990er Jahren entstandenen monochromen Arbeiten sind von hoher transitorischer Leuchtkraft, die er nach dem langen Schaffensweg von materialgebundener Verarbeitung auf eine höhere, dem Geist zuzuordnende Seins-Ebene transformiert.