Derzeit sind im Kunstraum kleinformatige Materialbilder von Bernard Aubertin

und raumgreifende Skulpturen von Bruno Gironcoli zu sehen.

 

Der Kunstraum lädt aufgrund seines Schaufenstercharakters jederzeit zu einem Lokalaugenschein ein.

 

Für nähere Informationen rufen Sie uns bitte an

Carolin Walker +43 650 2130505

 

 

 

Der Kunstraum mit seinem Schaufenstercharakter ist derzeit Bühne für zwei große Namen: Skulpturen von Bruno Gironcoli sind monochromen Leinwänden von Bernard Aubertin gegenübergestellt. Dabei werden eine geometrisch-minimalistische Kunstauffassung, die den Eigenwert der Farbe über jede Abbildhaftigkeit stellt mit den barocken, opulenten Formfindungen – mit zutiefst menschlich-existentiellen Bedeutungsmustern –  in eine raumübergreifende Verbindung gebracht. Beide Künstler sind Ikonen der Kunstgeschichte, die vorangehende Kunstentwicklungen auf nicht konforme Weise erneuern und  Generationen von Künstlerinnen und Künstlern prägen.

 

Von Bruno Gironcoli (geboren 1936 in Villach, gestorben 2010 in Wien) sind vier Skulpturen zu sehen, in der Mitte der 2001 entstandene Aluminiumguss Ein Körper, zwei Seelen. Inneres wird hier nach außen gekehrt, die schmerzhafte Zerrissenheit menschlicher Existenz kommt nicht zuletzt durch die Stacheln an der Basis der Skulptur zum Vorschein. Wie Melonen scheinen die Seelen auf gewaltigen Ästen zu sitzen. Sie erinnern an Janusköpfe und sind Symbole der Zwiespältigkeit in der Dualität aller Dinge, wie Schöpfung/Zerstörung, Leben/Tod, Licht/Dunkelheit, Anfang/Ende, Zukunft/Vergangenheit. Das Kind im Tulpenbett „Flammenkranz mit Baby“, 2006 (links hinten) aus 1998/1999 ist einer gigantischen Muttermaschine im Zustand der Erstarrung entnommen. Sie entspringt der Phantasie von Retorten- und Maschinenwelten, einer obsessiven Vorstellung von Geburt. Die Anonymität und Geschlechtslosigkeit der Babyfigur hat als weiteren Aspekt die Faszination Gironcolis für das massenhaft Produzierte, das Billige, Funktionsgerechte, wobei es dem Künstler darum geht, Funktionen zu negieren und die Form zu vereinzeln. Das Warme und Schützenswerte eines Babys wird entzogen, es wird anonymisiert und in einem Feuerkranz zur Schau gestellt. Das Kind zeigt sich verlassen, aber auch befreit von der alles dominierenden Mutter.  Auch die Doppelringfigur, ein Aluminiumguss von 2007 (links), sowie der 'Teller' entstanden 2005 (rechts) zeigen die für Gironcoli typischen Merkmale von Offenheit versus Geschlossenheit, in Verbindung mit einem bereits auf Reduktion bedachten Formenvokabular.

 

Bernard Aubertin (geboren 1934 in Fontenay-aux-Roses, bei Paris gestorben 2015 in Reutlingen bei Stuttgart, Gründungsmitglied der Gruppe Zero, führt Tendenzen der Konkreten Kunst und der Farbfeldmalerei weiter und befreit rote Gemälde von glatter Flächigkeit. Das geschieht, indem bei den hier gezeigten pastosen Bildern, zum greifbaren, autonomen Stoff wird. Die Liebe zur Farbe Rot und die aus ihr herauswachsende Faszination und künstlerische Aneignung von Feuer und Rauch sind bei Aubertin eine Leidenschaft, die bis zur kompletten Identifikation führt und zum primären Ausdrucksmittel wird. Die Farbe Rot, ihre Anziehungskraft, ihr Zauber, ihre Bewegung, ihr Licht, ihre Vibration, ihre emotionale Wirkung, erhält dinghaften Charakter, ohne dabei über sich selbst hinaus zu verweisen. Aubertins Arbeiten entstehen in keinem konsequenten, durchlaufenden Vorgang sondern in einem ständigen Unterbrechen und wieder Beginnen. Dieser Vorgang schafft für den Künstler jene Distanz, die er als grundlegend empfindet: eine Distanz zur Natur, vor allem zur menschlichen Natur.

 

Die Kombination der Arbeiten beider Künstler bringt neben Gegensätzlichkeit, wie die Anbindung oder Abkoppelung vom menschlichen Sein, auch Verbindendes zu Tage. Eine Form der Reduktion und punktgenauen Konzentration, bei Aubertin im formalen und bei Gironcoli im inhaltlichen Bereich, schaffen einen weiten geistigen Freiraum sowie eine räumliche Situation, in der sich der Raum nicht verengt, sondern ausdehnt.