RAINER WULZ

Ausstellungseröffnung im Schloss Ebenau 2019, Rainer Wulz vor seiner Skulptur

 

Rainer Wulz, Sohn des Künstlerehepaares Hugo und Roswitha Wulz (geb. 1968 in Zell am See/Salzburg) absolviert eine Schauspielausbildung für modernes amerikanisches Theater im Actors Studio von George Tabori in Wien (1985-1990). 1990 errichtet er gemeinsam mit seinen (mittlerweile verstorbenen) Eltern auf einem alten Bauernhof in St. Jakob im Rosental Künstlerateliers und einen großzügigen Skulpturenpark, wo er lebt und arbeitet. Skulpturen des Künstlers im öffentlichen Raum sind mehrfach im Rosental zu finden, wie etwa am Hauptplatz von St. Jakob im Rosental oder am Feistritzer Stausee. 

 

Im Gartenhaus des Schlossparks findet man eine Installation von Rainer Wulz aus 2019, die aus zwei miteinander verbundenen, vertikalen Holzschalen besteht. Ihr Ursprung sind zwei gewaltige, 1,80 m hohe Stämme einer Steinbuche, die von innen her ausgehöhlt und mit Aussparungen versehen sind. Diese zeigen sich in Form von wenigen großen, unregelmäßigen Löchern und Kerben, welche die dicke Schale des Baumes in einer Weise durchdringen, die dem natürlichen Verlauf des Stammes zu folgen scheint. Die Schalen nehmen nach oben an Breite zu und vollziehen so eine himmelwärts strebende Bewegung, die den dicken Stämmen einen Eindruck von Leichtheit verleiht. Neben diesem Wechselspiel aus Gewicht und Leichtigkeit gibt es auch jenes zwischen der natürlichen Haut des Holzes (Rinde) und einer zart anmutenden, dem Inneren des Baumes auf gefühlvolle Weise folgenden Bearbeitung der Innenseiten. In ihrer Schlichtheit verbinden die Skulpturen natürlich gewachsene Formen mit reduzierten, künstlerischen Gestaltungsprozessen und geben den Bäumen eine neue Sprache. Diese „lehre des baumes / drevesni nauk“ wird durch eine Lichtinstallation ergänzt, die als heller Funke den Skulpturen Transzendenz verleiht und sie über ihre materielle Gebundenheit hinaus erhebt.

Rund um das Gartenhaus sind noch weitere Skulpturen des Künstlers zu sehen, die in ihrer bewussten Anordnung diesen Teil des Schlossparks einmal mehr in einen künstlerischen Kraftort verwandeln.  (Text zur Ausstellung "Zwischen Bild und Skulptur", 2019)